Der Eine!
Und das seit über 112 Jahren
Der „Grüne Kalender“ vereint Tradition und Moderne, Wissenswertes, Heiteres und Nachdenkliches und ist spannende und entspannende Lektüre in einem. Mit vielen Freizeittipps und Tidenkalender.
Munter hollen!
Ein Vorwort von Silke Arends
Manchmal bekommen Worte Flügel – und Sätze Schwingen. Einer dieser Sätze, den die Zeit bis weit über den Horizont hinausgetragen hat, wurde vor 70 Jahren in die Welt gesetzt und wird noch heute zitiert: „Milch macht müde Männer munter“. So witzelte man in den 1950er-Jahren in Deutschland – mit einem für die damalige Zeit erstaunlich frivolen Beigeschmack. Das war auch jene Zeit, als die schauspielernde Hildegard Knef in „Die Sünderin“ für Sekunden ihre unbedeckte Brust zeigte und damit den ersten Filmskandal Deutschlands auslöste. Demonstranten verteilten daraufhin vor den Filmtheatern Flugblätter zur „Verteidigung eines gesunden deutschen Ehrgefühls“, in den Kinos warfen Geistliche mit Stinkbomben um sich, andere konfrontierten Kinogänger mit Protestplakaten. Der Film wurde – kein Wunder – zum Kassenerfolg. Die Milch wurde es auch. Die Filmbranche lebt heute von anderen Sensationen, ebenso die Werbeindustrie. Die Milch, der man heutzutage geschlechterübergreifend schlaffördernde Wirkung nachsagt, verheißt mittlerweile eine potente Vielfalt, die unbedingt fettarm, einfach mild, verführerisch sahnig, zu hundert Prozent probiotisch, mal links- oder rechtsdrehend oder aber eiweiß- oder proteinreich ist – und laut Verpackung garantiert gesund. Das gilt auch für jedweden Käse und das, was meine Oma früher „gute Butter“ nannte. Und weil die Zeit dazu beiträgt, dass sich die Geister scheiden, schwören manche nach wie vor auf Milch, andere wiederum auf vegane Hafer- oder Soja-Varianten. So wie die einen ihren Kaffee immer „mit“ trinken und andere nur „ohne“. Das ist bei Tee nicht anders. Auch nicht in Ostfriesland, das sich immer noch Milchland nennt. Die norddeutsche Kuh-Ebene. Wie schön, dass das so ist, denn ohne Schwarzbunte möchte ich mir Ostfriesland nicht vorstellen. Sie prägen unsere Landschaft und illustrieren unser Gefühl für die Jahreszeiten, unseren inneren Kalender. Ein guter Anlass, um in diesem Jahrbuch ein paar Schwarzbunte als lebendiges Kulturgut auftreten zu lassen. Neben vielen anderen lesenswerten Beiträgen aus dieser munteren Region. Dazu vielleicht einen Café Latte oder Tee? Perfekt!
Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre!
